Landesstiftung Miteinander in Hessen

27. August 2018

Bürgerbeteiligung ist ein Schlüsselthema zeitgenössischer Kunst

Wiesbaden / Bad Karlshafen, 27. August 2018 – Die Stipendiaten sind ausgewählt, die Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen und in wenigen Wochen geht es los – am 14. September startet das Pilotprojekt der Landesstiftung Miteinander-in-Hessen und der Hessischen Kulturstiftung zu partizipativer Kunst in Bad Karlshafen und Helmarshausen.

„Partizipative Kunst verlangt eine Antwort im Sinne des genaueren Hinguckens, Zuhörens, Anpackens“, erklärt der hessische Kunst- und Kulturminister Boris Rhein. „Es freut mich sehr, dass die beiden Stiftungen des Landes erstmals ihre Kompetenzen bündeln, um im ländlichen Raum aktiv zu werden. Nach Auffassung von Staatsminister Rhein ist Partizipation im Sinne der gesellschaftlichen Beteiligung an Kunst ein wichtiges Werkzeug. „Sie ermöglicht einen ‚positiven Prozess’, bei dem ein gemeinsamer Kulturraum entsteht.“ Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert das Pilotprojekt in diesem und im nächsten Jahr mit jeweils 30.000 Euro.

Als Ergebnisprojekt aus „Land mit Zukunft“ sehen beide Stiftungen eine große Chance darin, Kunst als Vehikel zur Steigerung der Attraktivität des ländlichen Raumes zu nutzen. Aus diesem Grund wurden in diesem Jahr erstmals zwei Stipendien zur Erarbeitung ortsspezifischer Kunstprojekte durch die beiden Stiftungen ausgeschrieben. Eine Fachjury hat jetzt die 32 Bewerbungen aus Israel, Österreich und Deutschland gesichtet. Durchgesetzt haben sich das Künstlerduo Birgit Schuh und Christoph Rodde aus Dresden, deren Erfahrung mit ortsspezifischer Veranstaltungspraxis und partizipativer Kunst im öffentlichen Raum die Jury überzeugen konnte. Das zweite Stipendium wird an den Darmstädter Künstler Lukas Einsele vergeben, dessen recherchebasierte Arbeiten ein großes Interesse an historischen Wahrheitsfindungsprozessen sowie der Inszenierung des Erinnerns zugrunde liegt. Seine Kompetenz in diesem Bereich konnte er bereits in zahlreichen internationalen Projekten unter Beweis stellen .

Der Fachjury gehörten folgende Personen an: Maria Luise Niemetz, Stadtverordnetenvorsteherin Bad Karlshafen, Gerlinde Müller vom Bürgerverein Karlshafen-Helmarshausen, Martin Fritz, Rektor der Merz Akademie Stuttgart sowie die Kuratorin der Kunsthalle Linz und Universitätsassistentin im Fachbereich Raum & Designstrategien der Kunstuniversität Linz, Larissa Meyer. Die beiden Stiftungen wurden vertreten von Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung und Claudia Müller-Eising, Vorstand von Miteinander-in-Hessen.

Partizipative Kunstprojekte betonen dabei das Moment von Aktivierung und Ermächtigung: Menschen wirken konkret mit an der Produktion von Wissen, von Sinn und  Bedeutung, von kollektiver Erfahrung oder auch Objekten. Dabei sollte man partizipative Kunstwerke, so die Philosophin Juliane Rebentisch 2013, „nicht vorschnell (...) als eine Art Demokratisierung der Kunstproduktion missverstehen. Denn die Asymmetrie zwischen Künstler und Publikum bleibt erhalten: Die Eingriffe des Publikums ins Werk sind hier Teil des künstlerischen Kalküls; sie erfolgen in einem vom Künstler gesetzten Horizont.“

Die Mehrdeutigkeit, Unbestimmtheit und Widersprüchlichkeit des Partizipationsbegriffs ist im Konzept selbst angelegt. Schon die wortgeschichtliche Herleitung zeigt das Spannungsfeld zwischen aktiver und passiver Teilnahme einer Person oder Gruppe: Der Begriff Partizipation setzt sich zusammen aus den lateinischen Wörtern „pars“ (Teil) und „capere“ (nehmen). Diese Ambivalenz zieht sich wie ein roter Faden durch Geschichte und Gegenwart partizipativer Kunst.

In der Zeit von September bis Dezember 2018 werden die drei ausgewählten Künstler in Bad Karlshafen und Helmarshausen leben und arbeiten, unterstützt durch den Heimatverein Helmarshausen, den Bürgerverein Karlshafen-Helmarshausen sowie die Stadt Bad Karlshafen. Finanziell wird das Pilotprojekt darüber hinaus durch die Herbert-Quandt-Stiftung gefördert.

Weitere Informationen unter www.hkst.de/de